Trinken - gestern heute morgen

El Presidente

In Gläser, Rum, Wein / Vermouth on Mai 28, 2009 at 12:01 pm

„Richtige“ Cocktails haben heutzutage ein Problem: Viele mögen sie nicht!

Ich spreche jetzt nicht von den 3000 Daiquiri-Varianten und dem 800sten Himbeer-Mojito. Auch nicht von der heute verbreiten Darreichungsform des Singapur Sling, oder Fruchtmischungen mit Wodka, oder Longdrinks mit süssen Sodas als Filler wie dem Cuba Libre. Alles Getränke die man natürlich auch gut oder schlecht auf die Theke gestellt bekommen kann, aber wenn sie okay gemacht sind, kann man sie mögen, ganz von allein quasi, wenn man nicht grad neu ne Himbeerallergie reinbekommen hat. Ich spreche jetzt von Cocktails nach David A. Embury’s Definition:

  • It should be made from good-quality, high-proof liquors.
  • It should whet rather than dull the appetite. Thus, it should never be sweet or syrupy, or contain too much fruit juice, egg or cream.
  • It should be dry, with sufficient alcoholic flavor, yet smooth and pleasing to the palate.
  • It should be pleasing to the eye.
  • It should be well-iced.

Alles spitze soweit, denkt man zunächst. Aber der Büttel liegt im Pfeffer wo der Gärtner den Schnaps holt: Punkte 2. und 3.! Dazu muss man nämlich Spirituosen mögen. Den Geschmack! Nicht den von Saft, oder von Zucker oder von Cola. Spirituosen mögen! Und Wodka-Shots zählen da nicht!

Hier gehts um Branntwein, Kinder: Schnappes, Rum, Wacholder und Mariacron! Gut, das ist jetzt gemein und wenn ich mir das da so in einer Reihe vorstelle, wird auch mir schon ganz schlecht und ich hab ja wirklich geübt in letzter Zeit, aber das ist es eben auch: Übung, bzw. Lernen. Man ist ja schließlich erwachsen und wenn man es geschafft hat, nicht nur Nutellabrote und Doppelwhopper zu seinen Lieblingsspeisen zu zählen, sondern wem auch schon mal bei sehr reifem französischen Weichkäse, oder Oliven, oder auch nur Spargel  mit Weißburgunder das Feuchte zwischen die Lefzen zieht, der weiß, dass das ein Dreijähriger nur selten auf seinem Facebookprofil als Lieblingsgericht ankreuzt. Das lernt man also. Wie das mit dem Bier und dem Wein, der dunklen Schokolade und dem anstrengende Sachen lesen und dem Sex, bei dem nur sie kommt und diesen ganzen Sachen eben. Weil man hat ja doch was davon, manchmal was ganz Tolles sogar und was ganz Besonderes. Das weiß man eben nur noch nicht beim ersten Mal.

So Kinder, und das verhält sich nun natürlich auch mit den Bees und den Trees so, und mit dem Zuckerbrot und mit der Peitsche. Nun darf man natürlich nicht gleich mit der Peitsche anfangen und daher gibts heut auch nicht den Pink Gin (Gin, möglichst Plymouth, vielleicht gar noch in Navy Strength von 57% mit einigen ordentlichen Dashes Bitters. Das ganze für Puristen auch gern ohne Eis und nicht mal gekühlt) sondern den einen feinen immer noch sehr gemochten meinen, den

El Presidente:

4 cl dry white Rum

2 cl dry Vermouth

einen Barlöffel Orange Curaçao

halber Barlöffel Grenadine

Auf Eis rühren, in ein vorgekühltes Cocktailglas abseihen, bei Gefallen mit Kirsche dekorieren, auf jeden Fall aber mit Orange Twist aromatisieren.

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Das ist jetzt nach einem Rezept von Trader Vic’s Book of Food and Drink (1946). Erfunden wurde der Drink wohl während der Prohibition auf Kuba. Laut David Wondrich wahrscheinlich von Eddie Woelke, Bartender und New York-Flüchtling durch die neue Gesetzeslage, der im Jockey Club auf Kuba unterkam, und ihn dort angeblich nach President Gerardo Machado benannte, der Kuba von 1925 bis 1933 regierte.

Es existieren Variationsrezepte mit etwas Limettensaft (hab ich noch nie probiert – für mich ist das ein aromatic und kein sour kind Drink) und eine Version wie sie wohl im Club El Chico in Greenwich Village gepflegt wurde, mit ganzen 2 cl (!!) Curacao, but remember the rules of the master – in diesem Fall Punkt 2 der obrigen Liste!

Guter, weißer Rum kann hier sogar Bacardi sein, muss aber nicht – mein Favorit: Flor De Cana, Extra Dry – ein vier Jahre alter Rum aus Nicaragua den man nach der Fasslagerung filtert, um ihn weiß und trocken abzufüllen. Als Vermouth gern Noilly Prat, kann aber auch mal Cinzano Extra Dry sein.

Auf Kuba haben sie ihn mir damals im Floridita mit Martini Extra Dry gemischt und das war der gefühlt leckerste Presidente den ich hatte, aber das lag natürlich am Ort und der Zeit und der Frau neben mir und der Bar und dem Mann dahinter, der am frühen Abend ganz offenkundig erfreut war, dass mal jemand was anderes als nen Daiquiri bestellt – als ich das Foto machte, begradigte er gerade die Kanten der Orangenzeste mit dem Filetiermesser…!

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„The Cuban Presidente was the Martini* of Cuba and, to me, a lot better than our own.“ so sah es Victor Bergeron aka Trader Vic – und da das ein Rum Drink ist, sollte das nicht on the light shoulder genommen werden.

*) für die Erstsemester: mit Martini ist hier nicht der Vermouth, sondern der klassische Dry Martini Gin Cocktail gemeint.

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