Trinken - gestern heute morgen

Scotch – ein unglaubliches Scheißgetränk!

In Whiskey on November 9, 2009 at 6:01 pm

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Das ist natürlich – wie ja meistens – menschengemacht. Das Getränk, bzw. die Spirituose  kann ja gar nix dafür!

Ich sehe Spirituosen im Gegensatz zu Wein, Bier, Saft und Wasser und (vielleicht) Sekt und Limo und Eistee eher nicht als Getränk. Eher eben als Genussmittelkonzentrat, wie Sirup, oder Essence oder Tinktur oder sogar Medizin, aber das natürlich nur, wenn sie wirklich gut sind und gezielt und mit Verstand zur Steigerung des Wohlbefindens, und eben auch besonders des längerfristigen Wohlbefindens, eingesetzt werden. Vielleicht so ähnlich wie Milch eben auch kein Getränk, sondern ein Nahrungsmittel ist. Was nicht heißen soll, dass man Spirituosen nicht pur trinken kann oder soll. Eben auch wieder so ähnlich wie Milch: kann man pur trinken, kann auch toll sein, ist aber fast noch toller in Käse und Eis und Shakes und Kaffee und Cremes und in Soßen und Pfannekuchen – und ihr wisst schon, was ich meine…

Also Scotch eben – das Getränk mit den Leuten, die man nicht will. Die immer „Nosing-Glas“ sagen, oder „Hochmoorquellwasser“, oder auch noch: „nur das aus Lochh Hackchrrenbrruchchollöögg“. Und so was dann von Studienräten, die nachweislich und offenkundigst keinen ordentlichen Geschmack – und noch weniger Gefühl – für gar nichts haben, sonst würden die sich ja zum Beispiel auch anders anziehen. Aber bei diesem Scotch, ja, da gehts dann aber los!

Also noch mal von vorn:

Scotch – ein tolles Getränk!

Wenn da nur nicht immer diese Leute wären! Schlimmer als bei Jazz ist das ja!

Es war ein Geburtstagsgeschenk, und schön war es, und es hat mir gleich gefallen und so gut gerochen hat es ja auch. Und ganz so schlimm, wie ich da eben tat, fand ichs dann ja auch doch schon vorher nicht. Immerhin hab ich mich in einem meiner ersten reinen Spirituosenräusche mal mit einer Flasche Johnny Walker Red Label (kein Schnaps den ich jederzeit empfehlen würde, aber wer durchschnittlich auch nur ein Smirnoff-Ice im Jahr konsumiert, sollte sich hüten, hier arrogant die Nase rümpfen!) recht amtlich betrunken und schon in Teenagerjahren festgestellt, dass man von anderen Getränken schlimmere Kater bekommen kann. Und dann hab ich ihn noch in der Nacht probiert und dann auch noch mal ein anderes Mal am Tag und da passte er fast noch viel besser. Aber heute! Heute hab ich erst gemerkt, wie schön er wirklich ist.

Bruichladdich Islay Single Malt 12 Jahre alt, Second Edition

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Heute war Sonntag, und es war ruhig, und man hat was Leckeres gefrühstückt und New York Times-Artikel über Dicke und ihre Einstellung zu Obamas Gesundheitsreform gelesen, und über die Todesstrafe für unter 18-jährige, die bundesweit erst vor ein paar Jahren vom Supreme Court gänzlich ausgeschlossen wurde, und das mit 5 zu 4 Stimmen – und man hätte sich fast schon wieder aufgeregt, aber dann hat man ja auch schon auf nem Deckchair gesessen, und tolle Kapitel aus Tanz mit dem Schafsmann hatten einen wieder mit der Welt versöhnt. Und dann ist man noch ins Meer gegangen und ist ne gehörige Portion geschwommen, und hat, weil es so rough war, auch ordentlich Wasser geschluckt und sich verausgabt und gespürt, dass der Atlantik hier nun langsam doch auch kühler wird, wenigstens ein wenig – wenn auch nicht so, dass ihr es dort drüben so bezeichnen würdet. Und dann heiß duschen und dann war es sechs – und warum nicht nen Drink!

Und nach 20 Sekunden Überlegung, wie ich welchen Rum gut mixen könnte, fiel er mir ein und in die Hand und Korken raus und riechen und ja: der der der ist es jetzt! Ein spätnachmittagswennmanausdemmeerkommtscotch! Leicht und irgendwie fruchtig, aber noch mehr grasig irgendwie, und schon gelagert, aber frisch und ja, auch ein wenig torf-rauchig, aber irgendwie gar nicht so, dass man es so nennen möchte. Und war da nicht so ein toller Scotch-Drink in Charles H. Baker jr.’s  1951er South American Gentleman’s Companion?! Ja, der

„Justly-Famous ENGLISH BAR SCOTCH SOUR:
2oz (6cl) not-too-smoky Scotch Whisky; juice 1/4 average Lemon; 1/2 to 1 tsp Sugar or Bar Syrup; White of 1/2 fresh Egg; Curl of Lemon Peel.“

Im Text schreibt er dann noch, dass sich nach dem „cap with Club Soda“ (bei mir in etwa eine oz also 3cl) neben den Ölen aus der Zitronenzeste wahlweise ein paar Tropfen Angostura Bitters oder Absinthe  auf dem „nice Bead“, das durchs harte Shaken mit dem Eiweiß entsteht, sehr gut machen. Bei mir wurden es dann die im Sommer selbst angesetzten Poppy-Seed-Bitters, die geruchlich als eben Mohn-Bitters, eigentlich nur in einer solchen Eiweißschaumkrone zur Geltung kommen und hier unglaublich hervorragend gut passten. Und mit diesem tollen Scotch und zu diesem genau passenden Zeitpunkt, so kurz vorm Dunkelwerden auch durchaus noch höher einzuschätzen, als es Baker in seiner Beschreibung mit den Worten „This properly made Scotch job is a good and interesting drink, and makes a pleasant variation of usual Sours based on Bourbon or Rye.“

Wie toll ein Sour sein kann! Einfach keine Säfte aus der Flasche verwenden sondern selber Hand anlegen, wenig nehmen, wenig süßen und ordentliche Spirituosen und keinen Wodka oder sowas langweiliges – und schon hat man eine erwachsenes Getränk, das einem auch noch ein bisschen was erzählen kann…

Und dann hab ich ihn eben grad noch mal pur getrunken, bzw. mit Wasser gehabt. Und hab ihn noch. Und man denkt, dass man ihn bei Gelegenheit sicher gut zum Frühstück trinken könnte (also nem kräftigen vielleicht, wo auch Bacon dabei ist…), und er für nen Nightcap eher zu frisch und lebendig ist, aber wie toll das ist, dass sowas gemacht wird. Dass da Leute sind, die Gerste mälzen und über Torffeuern trocknen und vergären lassen und destillieren und in Bourbonfässer tun und lagern und warten und nicht chill-filtern und nur auf gute 46% Vol.Alk. verdünnen und abfüllen und verkaufen und verschiffen und wieder verkaufen und kaufen und mir das schenken und ich schmeck das dann und das ist dann ganz toll und es gibt nichts was ich in dem Moment lieber geschmeckt hätte – ist doch toll! Und dafür kann man es dann auch schon mal in Kauf nehmen, dass da diese nervigen Leute daraus Religion (eine protestantische womöglich!) machen, denn wenn es die nicht gäbe, hätte das hier bestimmt nicht im Regal gestanden.

Nächstes Mal dann vielleicht zu nem anderen, auch etwas mehr als solches erprobten Frühstücksgetränk: Eistee auf Sencha-Basis.

  1. Lochh Hackchrrenbrruchchollöögg, das ist doch was für Anfänger! Der einzig wahre Skotsch kommt doch aus Loch Loch. (Doch doch!)

    Schöner Blog überigens. Ich freu mich auf weitere streitbare, informative, persönliche Beiträge!

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