Trinken - gestern heute morgen

SHERRY, SHERRY LADY

In Uncategorized on November 16, 2010 at 12:59 pm

Ein Gläschen von Tante kann niemand verwehren – und sollte er auch nicht!
Ja, sie sind angestaubt und hatten in den letzten Jahren keinen Sex(-appeal) mehr, aber genau das sind ja die beiden Dinge die wir selber ändern können. Und sollten! Zumindest was das Gläschen – das auch ein ordentliches Weißweinglas sein darf – angeht. Eure Tante kenn ich ja nicht.
Denn was Sherry hat, hat man bei vielen anderen Weinen (und den meisten anderen Dingen im Leben sowieso) meist nicht: Sicherheit (durch Tradition, Herkunft, festgelegte Regularien der Herstellung…)!
Gut, zunächst ist es etwas verwirrend – „dry, medium, sweet…?!“ Damit kann man vielleicht grade noch was anfangen, aber wer’s genauer wissen will muss diese Vereinfachungskategorien hinter sich lassen und dann wird’s auch schon meist Bahnhof: Amontillado? Oloroso? Fino?Ja…, mhh…, weiß nich…, vielleicht schon mal gehört…
Und das ist genau wohl auch seine Schwäche: er ist so komplex. In Stilistik, Herstellung, Arten so vielfältig, dass der Umgang damit ein wenig schwerer fällt als einfach zu sagen „Bring mal nen Rioja Reserva mit!“. Dabei ist auch genau das grade seine beindruckende Qualität: der kann so viel, das kann so leicht keiner.
Dieser Umstand, plus eure Aufmerksamkeitsspanne halten mich davon ab den Sherry hier umfassend erklären zu wollen (der deutsche Wiki-Artikel hilft, der englische ist natürlich besser…). Ausserdem bin auch ich kein Fachmann für die Weine aus Jerez de la Frontera und Umgebung, sondern eben einfach der begeisterte Laie der hier aber grade darum diese simple Empfehlung so weit wie möglich ins Land und in unsere Zeit getragen wissen möchte:

Stellt doch mal Fino, bzw. „Dry Sherry“ als Aperitif auf den Tisch!
Und gebt vielleicht ein par Mandeln dazu.
Fertig.
Erstmal ist es fast egal welchen, sogar bei dem aus dem Supermarkt, da kann man gar nicht viel falsch machen. Nur frisch sollte er sein (besorgt euch neuen Stoff, nicht den offenen von Tante) und gekühlt.

Das kann sich jeder merken, das ist nicht schwer und wenn man das macht, ist man ne coole Sau, was mit Prosecco wohl kaum noch gelingt.
Fino hat die Säure und Frische eines guten Aperitifweins, aber liefert mal so nebenbei noch ein Aromapaket das sich grade jetzt im Herbst unglaublich gut macht! Nussaromen, vor allem eben Mandel, eine bisschen Salz und Meer ist auch dabei… Soviel tiefe Sinnlichkeit – im Gegensatz vielleicht zu einer locker-spritzigen – bringen wenige Start-me-up-Getränke mit in den Ring.
In Spanien gibt’s klassischer Weise vielleicht noch ein paar Oliven dazu und Schinkenisjaklar, und wer ganz großen Glück hat, findet noch Mojama – gesalzener sonnengetrockneter Thunfisch. Und spätestens danach ist aber Polen – oder wo immer ihr einmarschieren wollt – offen! Für ein tolles Essen natürlich. Wobei Frauen die Sherry zu schätzen wissen, eben nicht mehr die alten Tanten sind, die keinen abbekommen haben (die trinken ja inzwischen auch Prosecco), sondern eher die interessanten die es auch drauf haben genau das richtige Vintage-Stück in ihre Garderobe einzubauen um sich von Industrie-Fashion-Victims abzuheben.

Himmel, und wenn ihr wüstet! Das ist ja erst der Anfang den Sherry zu bieten hat. Es gibt fast zu jedem Essen einen passenden. Mal ganz zu schweigen von den tollen Drinks die man damit machen kann – „Fino oder Amontillado mit Bitters“ sind die Einstiegsdroge…
Ihr wollt mehr? Sagt’s mir! Dann schreib ich mal über Amontillado (da geht’s dann langsam los mit diesen aufregenden Oxidationsaromen…) und warum ich den für nen ordentlichen „Sherry Cobbler“ am besten finde…
Oder kommt am Donnerstag ins Kaminzimmer des Schneeweiß zum „LIBATION!FALL – HERBST ZEIT LOS“. Da erzähl euch auf Nachfrage die Hucke voll, mache neben anderen Herbstdrinks auch den genannten, tollen Cobbler den schon Dickens liebte und später vielleicht auch ne Flasche 20 Jahre alten „William&Humbert Pedro Ximenez“ auf. Ein Schlückchen zum Probieren bekommt jeder der mir versichert auch in Zukunft ab und an dem Sherry zu huldige. Und danach könnt Ihr eh gar nicht anders als mich um die Manhattan-Variante mit diesem P.X. zu bitten… – das wird toll, sinnlich, interessant, gemütlich… alles auf einmal!

Spaß macht Sherry übrigens auch hier: Secret Sherry Society

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